Ein fünfgeschossiger Wohnriegel nahe der Spree, geplant auf den sandigen Talsedimenten der Niederlausitz. Der Bauherr legt eine Baugrundkarte vor, die ein homogenes Bild zeichnet – doch unser erster Blick auf die Bohrprofile zeigt feuchte, locker gelagerte Sande in 4 Metern Tiefe, direkt über dem ersten Grundwasserleiter. Genau hier beginnt die seismische Mikrozonierung, ihren eigentlichen Wert zu entfalten. Die generalisierte Karte nach DIN 4149 sagt wenig über das lokale Schwingungsverhalten dieser spezifischen Schichtenfolge. Erst die Kombination aus aktiver MASW und einer abgestuften Korngrößenanalyse der entnommenen Proben deckt auf, dass hier mit einer deutlichen Standortverstärkung im Periodenbereich um 0.6 Sekunden zu rechnen ist – ein kritischer Punkt für die geplante Stahlbetonkonstruktion.
Die größte Gefahr in Cottbus ist nicht das Beben selbst, sondern die unerkannte Resonanz zwischen lockerem Talsand und steifer Bebauung.
